Zurück zur Startseite Wappen von Steinmauern

Kurzbeschreibung:

Eine Studentengruppe des Fachgebiets Internationaler Städtebau vom Karlsruher Institut für Technologie befasst sich im Rahmen ihres Masterstudiums mit der Dorfentwicklung von Steinmauern. Unter dem Titel “Pampa statt Polis – Szenarien für Steinmauern” entwickeln die Studenten unter der Leitung von Professor Dr. Barbara Engel von Oktober 2016 bis Februar 2017 städtebauliche Zukunftsvisionen für Steinmauern.

Das Projekt wird durch das Rathaus eng begleitet. Projektkoordination hat Claudia Möck inne, gemeinsam mit der Leiterin der Abteilung Zentrale Dienste Julia Hangs.

Bei Fragen können Sie sich gerne an uns wenden:

Claudia Möck: 9275-18 oder moeck(at)steinmauern.de 

Julia Hangs:     9275-14 oder hangs@steinmauern.de

Anlass:

Landliebe, Landlust – Ausdrücke, die für den Charme des ländlichen Lebens stehen. Doch Dörfer sind viel mehr als nur Orte der Idylle und Beschaulichkeit. Gerade in ländlich geprägten Gebieten steigen die Anforderungen, die sich vor allem aus dem demografischen und sozioökonomischen Wandel ergeben. So findet man heute im ländlichen Raum Pendler- und Gewerbedörfer. Die Trennung von Lebens- und Arbeitsraum hat einen deutlichen Einfluss auf das Dorfleben. Trotzdem bietet das Leben auf dem Land eine hohe Attraktivität. Das eigene Haus mit Garten, die Nähe zur Natur, eine Kindheit auf dem Lande, artgerechte Tierhaltung, das Vereinsleben, die Nachbarschaftshilfe und vieles mehr trägt dazu bei. Exemplarisch für viele Dörfer hat auch Steinmauern in den letzten 50 Jahren einen starken Strukturwandel erlebt. Das Model Dorf hat nicht ausgedient allerdings braucht es mehr als nur neue Baugebiete – es bedarf mutiger Konzepte, die dem ländlichen Raum auch in Zukunft eine positive Richtung bieten und Dörfern wie Steinmauern gute Wohn- und Lebensqualität erhalten beziehungsweise schaffen. Nachdem Steinmauern schon seit Jahren gemeinsam mit der Bürgerschaft an der zukunftsorientierten Dorfentwicklung arbeitet, wurde Steinmauern gewählt, damit sich eine nächste Generation von Architekten und Stadtplanern konkret mit dem Thema „Zukunft Dorf“ auseinandersetzen kann, wobei Steinmauern als Blaupause für die Situation vieler Orte in Baden-Württemberg stehen kann.

Entwurfsaufgabe:

Steinmauern will sich für die Zukunft rüsten und dabei Dorf bleiben. Wie kann das Dorfleben im 21. Jahrhundert aussehen? Wie können moderne Lebensstile, der Wunsch nach Mobilität und Flexibilität mit prägenden Eigenschaften des Dorfes wie Überschaubarkeit und der Nähe zur Natur miteinander vereinbart werden? Aufgabe im Entwurfsstudio ist es, auf Basis einer fundierten Analyse starke Ideen für das gesamte Dorf sowie konkrete Vorschläge für ausgewählte Orte zu entwickeln. Projektbausteine sind dabei beispielweise die Erarbeitung eines Leitbildes mit ausgewählten Vertiefungsgebieten.

Ablauf/Zeitplan

Oktober 2016: Vorbereitung & Analyse

November 2016: Recherche vor Ort, Bürgerdialog

Januar/Februar 2017: Zwischen- und Endpräsentation am KIT

10. März 2017: Abschlusspräsentation als Ausstellung in Steinmauern

Verlauf des Projektes

- Recherche vor Ort

Nach einem Einstieg in das Thema „Dorf“ am KIT nahmen die Studierenden in einer Vor-Ort Woche Anfang November Steinmauern ganz genau unter die Lupe. Jeder Student machte sich sein Bild und dokumentierte seine Eindrücke und Beobachtungen in einer persönlichen Karte des Dorfes.

- Bürgerdialog Zum Abschluss der Vor-Ort Woche fand ein Bürgerdialog statt. In einem ca. 3 stündigen Workshop wurden Kleingruppen gebildet, die auf der Grundlage von Rahmenbedingungen und Wünschen erste Ideen und Visionen erarbeiteten und diese in ihren „Ideenplänen“ visualisierten.

Ausführliche Informationen zu den beim Bürgerdialog entstandenen Szenarien:

„Alt und Jung – Hand in Hand“

„Leben und Arbeiten 4.0“

„Über Brücken gehen“

„Steinmauern für alle“

"Treffpunkt Ortsmitte“

finden sie hier:

steinmauernmorgen.wordpress.com/buergerdialog

Impressionen des Bürgerdialogs finden Sie hier

Presseinformationen finden Sie unter folgenden Links:

Pressebericht BNN: „Von Wassersportangeboten bis zur Entlastungsstraße"

- Weiterarbeit am KIT

Zurück in Karlsruhe arbeiten die Studenten nun ihre Ideen und Visionen in ein Leitbild ein. Dabei sind Themen wie Nachhaltigkeit, Demografischer Wandel, Gemeinschaftsgefühl und öffentliche Räume genauso wichtig wie Infrastruktur, Energiekonzepte, Nachverdichtung und Verkehr. Auch die Atmosphäre und Identität des Ortes sowie die optimale Nutzung der naturgegebenen Besonderheiten werden von den Studierenden besonders berücksichtigt. In verschiedener Gewichtung sind diese Aspekte in allen Einzelausarbeitungen der Studierenden zu finden.

Das Blog

Eine kontinuierliche öffentliche Transparenz und Miteinbeziehung der Bevölkerung ist für den Erfolg des Projektes von besonderer Bedeutung und durch die Mitarbeit von Prof. Dr. phil. nat. Riklef Rambow, vom KIT, Fachgebiet: Architekturkommunikation gewährleistet. Als bisher einziger Lehrstuhl für Architekturkommunikation an einer deutschen Universität, ist es das Ziel der Architekturvermittlung, den Dialog zwischen allen Beteiligten zu initiieren und zu moderieren. Für die Laufzeit des Projektes „Pampa statt Polis“ betreiben die Studenten unter der Leitung von Frau Oriana Krämer einen Blog. Als digitale Form der offenen Planungswerkstatt ist dies ein Angebot an alle Steinmauerner Bürger, die sich über den Verlauf des Entwurfsprojektes informieren und dieses kommentieren wollen. Es begleitet als interaktives Informationsmedium den gesamten Entwurfsprozess. Hier werden Recherchen, Erkenntnisse des Workshops vor Ort und wichtige Entwurfsstände aufbereitet, dokumentiert und archiviert.

Präsentation der ersten Visionen

Die Studentengruppe hat ihre ersten Visionen entwickelt und ihre Ideen bei einer Präsentation vorgestellt.

So breit gefächert wie die Herkunftsländer der Studierenden so breit zeigte sich das Spektrum der Konzeptideen. Die internationale Studentengruppe stellte die verschiedensten Ansätze von „back to the roots“ bis „Dorf der Visionäre“ vor. Immer wiederkehrende Schlagwörter wie „Gemeinschaft“ oder „soziale Einheit“ spiegelten wider, dass die Studierenden, in den nur wenigen Tagen Aufenthalt im Ort, gespürt hatten, was Leben auf dem Dorf ausmacht. Öffentliche Treffpunkte schaffen, die kleine und große Bürger ansprechen, wie beispielweise ein Piazza, ein Marktplatz nach italienischem Vorbild oder gemeinschaftliche Gärten waren wiederkehrende Strategien, um die Dorfgemeinschaft zu stärken und das generationenübergreifende Miteinander anzuregen. Jung und Alt sollen künftig in sanierten umstrukturierten Gebäudestrukturen unter einem Dach zusammen wohnen und arbeiten. Dass sie eine gründliche Analyse über Steinmauern gemacht hatten und die Visionen maßgeschneidert waren, zeigte der Wunsch „Stärkung der Identität als Flößerdorf“, was durch ein Sichtbarmachen der Murg verwirklicht werden soll. „Für wen planen wir?“ - diese Frage hatte sich eine Studentin gestellt und dargelegt, dass umweltbewusste Menschen, Sportler, Tierfreunde, aber auch junge Familien und ältere Menschen, die sich für das Landleben entscheiden, ein dichtes Rad- und Fußwegenetz brauchen. Einig war man sich auch darüber, dass ein reiches Angebot an Naturräumen mit angelegten Grünflächen, aber auch ein bewusstes Erhalten der typischen Streuobstwiesen und „wilden“ Grünräumen wichtig ist. Ebenso wiederholte sich in verschiedenen Präsentationen die Vision, die Landwirtschaft und insbesondere den lokalen Bezug durch den Verkauf von Produkten vor Ort zu stärken. „Dorf bleiben“ – diesem Wunsch wurde dadurch entsprochen, dass nur relativ kleine Flächen für die Neuerschließung von Neubaugebieten vorgesehen wurden. Der Fokus lag bei der Renovierung von alten Gebäuden und der Nachverdichtung im „alten Dorf“, wo man Potential auch für neue Wohnformen erkannt hatte. Frischer städtebaulicher Wind wehte mit der Idee von „working clusters“ in Gebäudekomplexen. Handlungsbedarf erkannten die Studierenden auch im Bereich Verkehr und propagierten neben einer Umgehungsstraße und einer lokalen Buslinie „Shared spaces“ – eine Verkehrsraumgestaltung, die auf einer Gleichberechtigung der verschiedenen Nutzern beruht. Abgerundet hatten die „Architekten von Morgen“ ihre Visionen mit Energiekonzepten, die Steinmauern verantwortungsbewusst in eine grüne Zukunft blicken lassen.

Im weiteren Verlauf werden die Studierenden eine Auswahl von zwei bis drei Vertiefungsgebieten aus ihrer Ideenvielfalt treffen und für ausgewählte Orte konkrete Gestaltungsvorschläge erarbeiten. Bürgermeister Siegfried Schaaf zeigt sich gespannt: „Wir freuen uns auf konkrete Lösungsvorschläge der Studierenden. Die Visionen versprechen interessante Ansätze, die uns Impulse geben werden, wie wir die Herausforderungen an moderne Lebensstile angehen können. Dabei ist es uns wichtig, dass wir auf bisherige Entwicklungen aufbauen und das stärken, was unser Dorf ausmacht.“ Abgeschlossen wird das Projekt mit einer Ausstellung im Rathaus und einem Rundgang in Steinmauern am Freitag, den 10. März 2017.

Nützen Sie auch weiterhin die Gelegenheit, die Beiträge über den Blog http://steinmauernmorgen.wordpress.com zu kommentieren und so bei der Planung Ihres „Steinmauern von Übermorgen“ mitzuwirken.